viernes, 21 de marzo de 2008

Cardinal Ratzinger’s 2003 letter on the Traditional Latin Mass


To Dr. Heinz-Lothar Barth, 23 June 2003

Dear Dr. Barth,

I thank you cordially for your letter of April 6 to which I find the time to answer only now. You are asking me to act for a broader availability of the old Roman rite. Actually, you know yourself that I have no deaf ears towards such a request. My work on behalf of this cause is meanwhile generally known.

Whether the Holy See will “admit the old rite again for every place and without restrictions” as you desire and have heard it rumoured cannot be simply answered or confirmed without further ado. Still too great is the aversion of many Catholics, instilled in them over many years, against the traditional liturgy which they scornfully call “preconciliar”. Also one would have to reckon with considerable resistance on the part of many bishops against a general readmission.

Things look different, however, if one thinks about a limited readmission. The demand for the old liturgy is limited, too. I know that its worth, of course, does not depend upon the demand for it, but the question of the number of interested priests and laypeople, nevertheless, plays a certain role. Besides, such a measure can now, only some 30 years after the liturgy reform of Paul VI, be implemented only stepwise. Any new hurry would surely not be a good thing.

I believe, though, that in the long term the Roman Church must have again a single Roman rite. The existence of two official rites is for bishops and priests difficult to “manage” in practice. The Roman rite of the future should be a single rite, celebrated in Latin or in the vernacular, but standing completely in the tradition of the rite that has been handed down. It could take up some new elements which have proven themselves, like new feasts, some new prefaces in the Mass, an expanded lectionary –more choice than earlier, but not too much–, an “oratio fidelium”, i.e., a fixed litany of intercessions following the Oremus before the offertory where it had its place earlier.

Dear Dr. Barth, if you commit yourself to work for the cause of the liturgy in this way, you will surely not stand alone, and you will prepare “public opinion in the Church” for eventual measures in favor of an expanded use of the earlier liturgical books. One should be cautious, however, about awakening too high or maximum expectations among the traditional faithful.

I am using the opportunity to thank you for your appreciated commitment to the liturgy of the Roman Church in your books and lectures, even if here and there I would wish still more charity and understanding towards the magisterium of the pope and bishops. May the seed you are sowing germinate and bring much fruit for the renewed life of the Church the “source and summit” of which, indeed its true heart, is and must remain the liturgy.

With delight I give you the blessing you have asked and remain sincerely tours

Joseph Cardinal Ratzinger

Source:
Joseph S. O’Leary homepage. Original:

Sehr geehrter Herr Dr. Barth!

Haben Sie herzlichen Dank für Ihren Brief vom 6. April, zu dessen Beantwortung ich erst jetzt die Zeit finde. Sie bitten darum, daß ich mich für die erweiterte Zulassung des alten römischen Ritus einsetze. Eigentlich wissen Sie selbst, daß eine solche Bitte bei mir nicht auf taube Ohren stößt, ist doch mein Einsatz für dieses Anliegen inzwischen allgemein bekannt.

Ob der Hl. Stuhl aber den alten Ritus „wieder weltweit und ohne Beschränkung zulassen wird”, –wie Sie es wünschen und gerüchteweise gehört haben–, kann nicht ohne weiteres gesagt oder gar bestätigt werden. Zu groß ist doch immer noch bei vielen Katholiken die ihnen jahrelang eingeimpfte Abneigung gegen die traditionelle Liturgie, die sie verächtlich „vorkonziliar” nennen, und auch von Seiten vieler Bischöfe wäre mit erheblichem Widerstand gegen eine allgemeine Wiederzulassung zu rechnen.

Anders sieht es aus, wenn man an eine begrenzte Wiederzulassung denkt: begrenzt ist ja auch die Nachfrage nach der alten Liturgie. Ich weiß, daß ihr Wert natürlich nicht von der Nachfrage abhängt, aber die Frage nach der Zahl der interessierten Priester und Laien spielt dabei doch eine gewisse Rolle. Zudem kann eine solche Maßnahme auch heute noch, erst gut 30 Jahre nach der Einführung der Liturgiereform Papst Paul's VI. nur schrittweise in die Tat umgesetzt werden, jede neue Überstürzung wäre sicher nicht vom Guten.

Ich glaube aber, daß auf Dauer die römische Kirche doch wieder einen einzigen römischen Ritus haben muß; die Existenz von zwei offiziellen Riten ist in der Praxis für die Bischöfe und Priester nur schwer zu „verwalten”. Der Römische Ritus der Zukunft sollte ein einziger Ritus sein, auf Latein oder in der Landessprache gefeiert, aber vollständig in der Tradition des überlieferten Ritus stehend; er könnte einige neue Elemente aufnehmen, die sich bewährt haben, wie neue Feste, einige neue Präfationen in der Messe, eine erweiterte Leseordnung –mehr Auswahl als früher, aber nicht zu viel– eine „Oratio fidelium”, d.h. eine festgelegte Fürbitt-Litanei nach dem Oremus vor der Opferung, wo sie früher ihren Platz hatte.

Geehrter Herr Dr. Barth, wenn Sie sich in dieser Weise für das Anliegen der Liturgie einsetzen, werden Sie sicher nicht allein stehen, und bereiten die „öffentliche Meinung in der Kirche” auf eventuelle Maßnahmen zugunsten eines erweiterten Gebrauchs der früheren liturgischen Bücher vor. Man sollte aber vorsichtig sein im Wecken von allzu hohen, maximalen Erwartungen bei den traditionsverbundenen Gläubigen.

Ich benutze die Gelegenheit, um Ihnen zu danken für Ihren geschätzten Einsatz zugunsten der Liturgie der römischen Kirche, in Ihren Büchern und Vorträgen, auch wenn ich mir da und dort noch mehr Liebe und Verstehen für das Lehramt von Papst und Bischöfen wünschen würde. Möge der Same, den Sie säen, aufgehen, und viele Frucht tragen für das erneuerte Leben der Kirche, dessen „Quelle und Höhepunkt”, ja dessen wahres Herz eben die Liturgie ist und bleiben muß.

Gerne gebe ich Ihnen den erbetenen Segen und bleibe mit herzlichen Grüßen

Ihr

Josef Cardinal Ratzinger